Heizungsbaumann
Taxi Bischoff
Hoffmann Metzgerei
Wespen Lichtenthäler
Jakob Nestle
Friseur K1
Geschenke Galerie
Der Versicherungsspezi
Reifen Krah
Schwientek Herbst 14
Continentale
Sattlerei Schmautz
Tatze und Pfötchen
HF Auto

ALTENKIRCHEN – Orgelsanierung als Baustein zur Konzertkirche Altenkirchen

Veröffentlicht am 28. Februar 2021 von wwa

ALTENKIRCHEN – Orgelsanierung als Baustein zur Konzertkirche Altenkirchen

Welche Vielfalt zum seltenen Beruf eines Orgelbauers gehört, zeigt sich derzeit in der Evangelischen Christuskirche am Schlossplatz in Altenkirchen. Seit Jahresbeginn rückt hier die Orgelbaufirma Merten aus Remagen für mehrere Monate der großen Kirchenorgel zu Leibe. Und das aus gutem Grund, musste doch das 35 Register und etwa 2.000 Orgelpfeifen umfassende Instrument vor zwei Jahren stillgelegt werden. Die weitverzweigte Elektrik entsprach nicht mehr den Brandschutzstandards und wird nun vollständig ersetzt.

Vier Fachkräfte, unter ihnen der Seniorchef des Unternehmens, Orgelbaumeister Siegfried Merten, haben begonnen, das Instrument vollständig zu demontieren, zu sanieren und zu erweitern.

Das Gesamtvorhaben wird sich bis in den April dieses Jahres hinziehen. Zu den Arbeitsschritten gehören Arbeiten am Gehäuse und Renovierung des großen Spieltisches, die Überarbeitung der drei Manuale, des Pedals sowie der Trakturen, also der Wege von den Tasten bis zur einzelnen Orgelpfeife. Bei dieser Orgel mit pneumatischer Spiel- oder Registertraktur muss das sog. Windwerk sowohl den Arbeitswind bereitstellen, der die Ventile zu den 2.000 Pfeifen reguliert, als auch den Spielwind, der den Klang in den Metall- oder Holzpfeifen erzeugt.

Außerdem werden die Fachleute ein großes zusätzliches Register, also eine große Holzpfeifen-Tonleiter über mehrere Oktaven, neu hinzufügen. Beim Blick in das kompakt gebaute große Instrument stellte sich jedoch die Frage, wo die zum 16-Fuß-Register gehörenden riesigen Einzelpfeifen noch untergebracht werden können. Das Planungsproblem haben Siegfried Merten und sein Nachfolger, Orgelbaumeister Martin Hiltmann, mit einem Kniff gelöst: Die bis zu fünf Meter langen Pfeifen werden quer, also liegend, im hinteren Teil des Instruments eingebaut.

Als i-Tüpfelchen erhält die Orgel einen zweiten, mobilen Spieltisch, der im Altarraum, aber auch outdoor auf dem Schlossplatz bespielt werden kann und der die Signale an das in der Kirche fest verbaute Instrument überträgt. Und zeitgleich kann der originale Raumklang aus dem Kirchenschiff wiederum per Mikrofon und Soundanlage nach draußen transportiert werden – eine Installation, die vielleicht sogar weltweit einmalig ist.

Kreativ verfährt das Unternehmen übrigens bei der Berufsausbildung. So wurde es durch das Bundesnetzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ ausgezeichnet, weil es sich für Auslandsaufenthalte während der Berufsbildung und damit für eine Internationalisierung und Attraktivitätssteigerung dieses seltenen, aber nicht aussterbenden Berufs engagiert.

Die Evangelische Kirchengemeinde hofft nun, mit der Fertigstellung der Orgel im Frühling eine weitere Etappe des Vorhabens Konzertkirche zu erreichen. Ohne die Förderung durch die EU aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und durch das Land Rheinland-Pfalz hätte die Kirchengemeinde dieses Projekt einer Öffnung der Christuskirche zur Konzertkirche nicht angehen können. Nun fiebern die Gemeinde und etliche Musikbegeisterte bereits dem Zeitpunkt entgegen, an dem endlich mit der Ausrichtung von eigenen, regionalen und überregionalen Gastkonzerten begonnen werden kann. Dann könnten auch die bereits installierten neuen Licht-, Ton- und Video-Möglichkeiten die Konzerte ästhetisch rahmen. An Kulturhungrigen scheint es regional zumindest nicht zu mangeln. (wcj) Fotos: privat