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MAINZ – Mehr Qualität für die Pflege

Veröffentlicht am 11. November 2020 von wwa

MAINZ – Mehr Qualität für die Pflege – Personalbemessungsinstrument für bedarfsgerechte Pflege unter verbesserten Arbeitsbedingungen

Das sechste, digitale Länderforum der BARMER Hessen und Rheinland-Pfalz/Saarland diskutiert neue Lösungen für den Pflegebereich. Im Fokus der Veranstaltung steht die Frage nach verbesserter Pflegequalität und attraktiveren Arbeitsbedingungen durch faktenbasierte Personalbemessung. „Die Corona-Pandemie hat die Pflegebranche zusätzlich unter Druck gesetzt. Herausforderungen durch Personaldefizite haben sich verschärft. Die Arbeitsbedingungen werden von vielen als bitter empfunden. Allen Bemühungen zum Trotz steigt auch der Druck auf die Pflegequalität. Für uns ist deshalb klar, dass eine passgenaue, evidenzbasierte Personalplanung und ein gezielter Ressourceneinsatz befördert werden muss“, sagt Dunja Kleis, Landeschefin der BARMER Rheinland-Pfalz/Saarland. Auf die Frage nach der bedarfsorientierten Personalausstattung in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern gebe es derzeit keine einheitliche, konsentierte Antwort.

Fachkraftquoten und Personaluntergrenzen regulieren zwar ein Mindestmaß an Personalressourcen, sind aber nicht genug wissenschaftlich an Bedarfen oder Qualitätsstandards orientiert. In den Bundesländern bestehen unterschiedliche Regelungen, was zu fachlich nicht erklärbaren Unterschieden bei der Personalausstattung führe. Konsens bestehe allerdings hinsichtlich der Auffassung, dass Pflegepersonalmangel Qualität und Arbeitsverhältnisse belaste.

Mehrbedarf von bundesweit über 100.000 Stellen in der stationären Langzeitpflege

Prof. Heinz Rothgang, Leiter der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen, hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem die Personalbemessung der stationären Langzeitpflege präziser als bisher an den tatsächlichen Bedarfen in einzelnen Einrichtungen ausgerichtet werden kann. Im Rahmen des BARMER-Länderforums wird das neue Instrument vorgestellt und diskutiert. Die Methode stelle die Personalbemessung auf eine wissenschaftliche Basis, nehme Pflegeeinrichtungen mit ihren Bewohner/innen in den Blick und orientiere sich dabei an den Bedarfen und Qualifikationen. „Entscheidend für die Sicherstellung guter Pflege ist eine ausreichende Personalausstattung. Der Algorithmus schafft als Instrument zur Personalbemessung ein ‚atmendes System‘ anstelle starrer Quoten. Das Ergebnis ist einrichtungsindividuell, erfasst qualitative Bedarfe, trägt auch komplexen Pflegesituationen Rechnung und entlastet perspektivisch das Pflegepersonal“, erklärt Prof. Heinz Rothgang. Modellrechnungen auf Basis des Algorithmus ergeben einen zusätzlichen Personalbedarf von mehr als 100.000 Vollzeitstellen für die stationäre Langzeitpflege. Ein Großteil dieses Personalbedarfs entfalle auf Assistenzkräfte. Eine große Chance liege in der effizienten Zusammenarbeit von Pflegefachkräften und Assistenzkräften. Statt ‚Jeder macht alles‘, könne bei umsichtiger Organisationsentwicklung kompetenzorientiert und koordiniert zusammengearbeitet werden.

Eine Perspektive für evidenzbasierte Personalbemessung und Arbeitskräfteaufbau

„Der Algorithmus führt eine datenbasierte, wissenschaftliche Evidenz in die Personalbemessung ein, die im Moment zu willkürlich, uneinheitlich und defizitär erscheint. Eine präzisere Personalbemessung und ein bedarfsgerechter Personalmix aus unterschiedlichen Qualifikationen kann die Pflegequalität und Patientensicherheit stärken. Perspektivisch bieten vergleichbare Instrumente auch eine große Chance für die stationäre Pflege im Krankenhausbereich. Der Personalstand darf auch hier langfristig nicht unter die derzeit vereinbarten Untergrenzen fallen. Der Weg aus der Wissenschaft in die Praxis führt deshalb für uns über die Politik“, so der Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen, Martin Till. Die schrittweise Einführung der neuen Methode in den stationären Pflegebereich erfolge ab Januar 2021 und werde durch Wirkungsanalysen begleitet. Zu diesem Anlass bringe das BARMER-Länderforum am 9. November Experten/innen aus dem Pflegebereich, der Politik und Wissenschaft zusammen, um den Diskurs um eine bessere Pflege stärken.