„Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister (INTASAQUA)“

Veröffentlicht am 7. November 2018 von wwa

STEIN-WINGERT – „Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister (INTASAQUA)“ – Informationsveranstaltung zum BfN-Projekt fand am 6. November statt – Die Nister und ihre Nebengewässer beheimaten eine Reihe zum Teil sehr seltener Tierarten, wie zum Beispiel den Lachs, die Bachmuschel und die letzten Exemplare der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel. Die Gewässerqualität der Nister konnte besonders in den vergangenen Jahren die hohen Ansprüche dieser Arten nicht mehr erfüllen. Daher sind die Erforschung und die Verbesserung der Lebensraumbedingungen für den Erhalt der außergewöhnlich hohen Artenvielfalt an der Nister von besonderer Bedeutung.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 6. November stellten Vertreter der Universität Koblenz-Landau, der Kreisverwaltung Altenkirchen und der ARGE Nister e.V. im Dorfgemeinschaftshaus in Stein-Wingert den Vertretern der regionalen Behörden die aktuelle Ergebnisse und den aktuellen Planungsstand des Projektes vor und besprachen gemeinsam das weitere Vorgehen, sowie einzelne Maßnahmen zum Schutz der Nister.

Neben den bereits existierenden zahlreichen Bemühungen die Nister und ihre „Bewohner“ zu schützen, wird derzeit vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine Vorstudie zu einem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben finanziert. Dieses Vorprojekt wird seit Mai 2017 von den ehrenamtlichen Gewässerschützern der ARGE Nister e.V. gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau und der TU München durchgeführt. Bis Ende diesen Jahres wird der Kreis Altenkirchen den Antrag für das anschließende Hauptvorhaben einreichen, dass dann gemeinsam mit vielen der am Nistervertrag Beteiligten durchgeführt werden soll.

Ziel des Projektes ist es, neben kurzfristigen Maßnahmen zur Erhaltung des Reliktvorkommens der Flussperlmuschel, durch vielfältige Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen, die Habitatqualität als Ganzes nachhaltig zu verbessern, um die außerordentlich hohe Artenvielfalt an der Nister zu erhalten und entwickeln. Die Besonderheit des Vorhabens ist dessen integrativer Ansatz, der darauf abzielt, nicht nur eine bestimmte Tierart zu schützen, sondern durch die generelle Verbesserung der ökologischen Qualität des Gewässers zum Schutz aller in der Nister heimischen Arten beizutragen.

In der derzeit laufenden Voruntersuchung haben Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau und der TU München Geländeuntersuchungen durchgeführt, um den aktuellen Zustand der Nister genau zu charakterisieren. Zusätzlich wurde ein Maßnahmenpaket entwickelt, durch das die Lebensraumqualität der Nister in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Nutzern verbessert werden kann. Dabei sollen die Maßnahmen nicht nur direkt im Gewässer ansetzen, sondern beinhalten auch die Entwicklung des Gewässerumlandes, um eine Reduzierung des Eintrags von Feinsedimenten und Nährstoffen zu erreichen. Hierdurch soll insbesondere die Verstopfung der Gewässersohle vermindert werden, da diese als eines der größten Probleme für das Überleben der bedrohten Muschelarten identifiziert wurde. Die Detailplanung der Gewässerschutzmaßnahmen ist zum größten Teil abgeschlossen. Derzeit wird der Antrag für das Hauptvorhaben beim BfN in intensiver Kooperation zwischen den universitären Partnern, den Kreisverwaltungen Altenkirchen und des Westerwaldkreis, sowie der ARGE Nister e.V. erarbeitet.

Die Ergebnisse der Voruntersuchung zeigen das hohe Potential der Nister, aber auch den enormen Entwicklungsbedarf, der zur Erhaltung dieses wichtigen Lebensraumes notwendig ist. So wurde an verschiedenen Stellen im Untersuchungsgebiet eine sehr gute Habitatqualität festgestellt, allerdings waren diese Bereiche eher klein und weiträumig verteilt. Der größte Teil der Gewässersohle in der Nister zeigt nicht die Eigenschaften, die zum Erhalt der seltenen Arten erforderlich sind. So weist das Sediment der Nister an vielen Stellen nicht die geeignete Größenverteilung (Körnung) auf und der Wasseraustausch zwischen tieferen Sedimentschichten und der fließenden Welle ist aufgrund einer zu geringen Durchlässigkeit häufig reduziert.

Die aktuellen Planungen für Maßnahmen zu Verbesserung der Habitatqualität in der Nister umfassen den Bereich zwischen Thal und Müschenbach. Größere Maßnahmen wie zum Beispiel der Wiederanschluss von Wiesengräben oder die Entwicklung von Nebengerinnen sind in Langenbach, Helmeroth, Flögert, Aalhausen und Astert geplant.